Absolutes Tabu: Hamsterauslauf im Joggingball!

Hamsterbälle sind nicht geeignet. Foto: Ody5iu5, flickr.comNoch immer findet man ihn im Zoogeschäft: Den Joggingball. Auch als Hamsterkugel oder Raceball bekannt, sorgt er unter uninformierten und verantwortungslosen Hamsterhaltern für Belustigung, in Tierschutzkreisen jedoch gilt er wegen auf der Hand liegender Nachteile als tierschutzwidrig und gesundheitsschädlich!

Oft werden diese Laufkugeln in Filmen gezeigt (z.B. im animierten Film “Bolt – ein Hund für alle Fälle”) – dass Filme oft nichts mit der Realität zu tun haben, dürfte jedem klar sein und damit auch, dass Hamster nichts in solchen Kugeln verloren haben. Warum? Ganz einfach:

Der Hamster hat in dieser Kugel keine Kontrolle über seine Laufrichtung

Richtungsänderung, abbremsen, ausweichen – ein Ding der Unmöglichkeit. Bei Hindernissen – wie z.B. einem Stuhlbein – ist Kollision vorprogrammiert. Und das oft mit schwerwiegenden Folgen: Durch den abrupten Zusammenstoß kann es zu Verstauchungen und Brüchen, sogar Traumata kommen. Rollt die Kugel eine Treppe hinunter – nicht auszudenken was dem kleinen Hamster im schlimmsten Falle droht…

Schlechte Luftzirkulation in der Kugel

Hamsterkugeln weisen in der Regel nur sehr kleine Luftschlitze auf. Für ausreichende Belüftung ist hier schon einmal nicht gesorgt. Durch die Anstrengungen die der Hamster unternehmen wird um aus der Kugel zu entwischen, muss er sich sehr anstrengen – ohne Aussicht auf Entkommen. Durch die dadurch beschleunigte Atmung bekommt er im Gegenzug kaum Frischluft. Dies schlägt sich deutlich auf den Kreislauf des kleinen Tieres nieder.

Gefahr durch Steckenbleiben in den Luftschlitzen

Für ausreichende Belüftung sind die Schlitze zu klein, für einen Zeh oder ein Pfötchen oftmals aber groß genug. Durch das unkontrollierte Laufen in der Kugel kann sich das Pfötchen des Hamsters schnell in einem solchen Schlitz verfangen. Passiert dies, ist der Hamster dabei großen Schmerzen ausgesetzt – er leidet!

Schädigung der Muskulatur

Hamsterkugeln haben neben den bereits genannten Nachteilen auch einen weiteren Nachteil: Ihre Größe. Mit 12 bis 18 Zentimetern Durchmesser sind sie schlicht und einfach viel zu klein, als dass ein Hamster darin OHNE durchgedrückten Rücken laufen könnte. Wird der Hamster regelmäßig und dauerhaft in eine solche tierquälerische Kugel gesteckt, sind Haltungsschäden wie Bandscheibenvorfälle, Verkrümmungen und dadurch unerträgliche Schmerzen vorprogrammiert. Bitte beachtet, dass dies auch bei einem zu kleinen Laufrad passieren kann! (Zwerghamster-Durchmesser mindestens 23cm, Mittelhamster mind. 30cm)

Einschränkungen der natürlichen Wahrnehmung

Durch das Plastik kann der Hamster seine Umgebung weder richtig sehen, noch riechen und hören. Dass der Hamster dann ziellos mit der Kugel herumirrt, an Gegenstände stoßt, etc. mag vielleicht auf den ersten Blick “lustig” erscheinen, doch ist es dies unter gar keinen Umständen! Der Hamster ist in einer Laufkugel permanentem Stress ausgesetzt, seine natürlichen Sinne kann er nicht einsetzen, die Richtung nicht bestimmen und alle Geräusche klingen anders und dadurch vollkommen fremd. Dadurch, dass alles als fremd aufgenommen wird, möchte der Hamster sich nur noch verstecken. Was zur Folge hat: Er rennt noch schneller, eckt noch öfter an Gegenständen an, usw. Alles schaukelt sich gegenseitig hoch. Artgerechter Auslauf OHNE Stress sieht definitiv anders aus!

Das stille Örtchen ist so gar nicht mehr still und immer dabei

Hamster sind von Natur aus reinliche Tiere. Ihr Örtchen befindet sich an einem geeigneten Platz wo es weder die Futtersuche, noch den Futtervorrat stören könnte. Dennoch werden auch Wege und Gänge markiert. Wer seinen Hamster beobachtet hat bestimmt schon einmal gemerkt, dass sie auch beim Laufen im Laufrad Urin absetzen können. Und dies kann auch in der tierschutzwidrigen Laufkugel der Fall sein. Der Hamster läuft dadurch in seinem eigenen Kot und Urin, er beschmutzt sich selbst und der Kot kann dabei die ohnehin schon zu wenigen Lüftungsschlitze verstopfen.

Allgemeines zu Laufkugeln

Ich habe bereits von Joggingball-Derbys gehört bei denen Hamster in eine Laufkugel gesteckt werden und auf einer Bahn, bei der sie nur in eine Richtung rollen können, gegen ihre “Konkurrenten” antreten (etwa wie bei einem Viertelmeilenrennen). So etwas ist absolut Tierschutzwidrig und gehört unter allen Umständen verboten!

Deshalb

An jeden tierlieben Hamsterhalter dort draußen: Aufklärung ist das A und O – Bitte sprecht auch Ihr dieses Thema an. Die Hamster in den Wohnungen vieler Halter sind auf diese Aufklärung angewiesen!

Buchempfehlung zum Thema aus dem Ulmer Verlag

Hamsterheime mit Pfiff. Christina Manuela Frey. 2011. 64 S., 60 Farbfotos, kart. ISBN 978-3-8001-5981-9. € 5,95

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