Hilfe: Mein Hamster beißt

Zahmer Hamster. Foto: Maarten Dirkse, flickr.com

Zahmer Hamster? Foto: Maarten Dirkse, flickr.com

Man freut sich so ungemein, wenn man sich einen kleinen Hamster nach Hause holt, dass man ihn am liebsten den ganzen Tag lang beobachten und anfassen möchte. Doch Vorsicht: Das ist genau das falsche Vorgehen!

Wenn ein Hamster zu Hause einzieht, ist es vor allem wichtig, dass vorab der Käfig eingerichtet wurde, damit man daheim nicht noch lange hantieren und der Hamster in seiner Transportbox darauf warten muss, bis alles fertig ist. Gerade der Aufenthalt in dieser ihm unbekannten Box, die neuen Gerüche und Geräusche verursachen ihm großes Unbehagen, er steht durch den Umzug unter Stress.

Wenn der Hamster also zu Hause gleich in seinen Käfig gesetzt wird lautet die wichtigste Regel, ihn erstmal in Ruhe zu lassen. Es sollten keine lauten Geräusche oder schnellen Bewegungen um ihn herum stattfinden, ebenso sollte man die ersten fünf bis sieben Tage nicht versuchen, ihn auf die Hand zu nehmen, ohne, dass der Hamster von alleine auf die Hand klettert.

Was passiert, wenn man den Hamster gewaltsam hochnehmen möchte, ohne, dass er sich zuvor an seinen Menschen hat gewöhnen können, ohne Vertrauen aufgebaut zu haben und ohne die Gewissheit zu haben, dass ihm hoffentlich doch wohl nichts schlimmes passieren wird? Seine erste Reaktion wird ein Fluchtversuch sein, gelingt dieser nicht, wird sich der kleine Kerl mit all seinen Mitteln und Kräften zur Wehr zu setzen versuchen: Und das am besten mit seinen Nagezähnen, die bei einem richtigen Biss schon mal sehr weh tun können!

Wie geht man also am besten vor, damit man seinem Hamster von Anfang an beibringt, dass er keine Angst vor einem zu haben braucht?

Wie oben angesprochen ist es deshalb nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, dem kleinen Kerlchen an seinem ersten Tag im neuen Zuhause erstmal seine Ruhe zu lassen. So kann er sich ohne Druck im neuen Käfig umsehen, den neuen, interessanten Gerüchen nachgehen und schonmal den ersten Tunnel im neuen, hoch eingestreuten Streu buddeln. Der Hamster lernt so ohne Stress seine neue Umgebung kennen, kann gefahrlos an den Gitterstäben schnuppern und riechen, was es außerhalb des Käfigs noch so alles zu bestaunen gäbe. Dabei sollte auch darauf geachtet werden, dass ein Zweittier, z.B. ein Hund oder eine Katze, nicht im gleichen Raum mit dem Hamster ist und auch generell nie alleine mit ihm gelassen wird. Beide sollten sich ohne Aufsicht immer in getrennten Räumen befinden!

Dennoch braucht der kleine Hamster täglich frisches Futter und Wasser. Wenn Ihr ihm das gebt, dann sprecht mit ruhiger Stimme zu ihm, damit er Euch kennenlernen kann. Außer dem Futter und dem Wasser solltet ihr aber wieder nichts tun und seine Eingewöhnphase von fünf bis sieben Tagen respektieren. Erst danach könnt Ihr langsam anfangen ihn mit Leckerlies zu locken oder Eure Hand ganz ungezwungen in die Mitte des Käfigs legen, damit er sie erkunden kann. Akzeptiert der Hamster Eure Hand, dann könnt Ihr es auch damit versuchen, ihn mit einem Leckerlie auf Eure Hand drauf zu locken (ohne die Hand dabei zu bewegen oder hoch zu nehmen, das würde ihn nur erschrecken).

Je besser sich der kleine Racker an Euch gewöhnt, umso besser könnt Ihr Euch trauen, etwas neues zu probieren um ihn anzulocken.

Kleiner Tipp: Wenn Ihr ihn hochnehmen wollt, dann solltet Ihr nicht mit einer Hand von oben nach ihm greifen und die Hand zuerst um Rücken und dann um seinen Bauch legen, sondern ihn mit zwei Händen in eine Art “Höhle” nehmen. Dann bringt er das nämlich nicht mit einem Angriff aus der Luft in Verbindung, z.B. wenn ein Vogel versucht ihn zu greifen.

Wenn Ihr diese leichten Regeln und die Eingewöhnunszeit beachtet, dürfte es nicht schwer fallen, den Hamster in kurzer Zeit handzahm zu bekommen – und das ganz ohne ihm Angst zu machen.

Solltet Ihr jedoch dies übersehen haben oder zu schnell und unsanft mit dem Hamster umgehen, dann kann es gut möglich sein, dass er sich mit seinen Zähnen zur wehr setzt und Euch wissen lässt, dass er das nicht mag bzw. große Angst hat. Nehmt ihm das nicht übel, denn er ist schließlich ein kleines Kerlchen und Ihr ein großer Mensch von dem er noch nicht weiß, was er halten soll. Wenn er zwickt, dann seid vorsichtig, dass Ihr den Hamster aus lauter Schreck dann nicht fallen lasst! Das kann unter Umständen böse enden…

Wenn ein Hamster schon länger bei Euch wohnt und (immer noch) beißt und/oder sich wehrt, dann könnt ihr mit der Annäherung auch nochmal von ganz vorne beginnen. Lasst ihn einige Tage lang in Ruhe, gebt ihm nur zu fressen und frisches Wasser. Nähert ihm Euch sehr vorsichtig und sprecht ruhig mit ihm. Bedenkt aber, dass es etwas länger dauern kann, bis der Hamster jetzt Vertrauen in Euch hat, da er es ja schon einige Zeit lang nicht anders kennt, als dabei Angst zu haben, wenn Ihr ihn z.B. aus dem Käfig heraus holen wollt.

Aber nicht immer glückt eine Hamster-Mensch-Beziehung – leider. Manche Hamster werden auch nie zahm, bleiben immer Einzelgänger und haben immer Angst vor ihrem Menschen. Dafür sollte man ihnen aber nicht böse sein. Jeder Hamster ist nunmal ein Individuum und hat – genauso wie wir – seinen eigenen Kopf.

Dennoch denke ich, dass man sich einen Hamster nicht in erster Linie nach Hause holt, um mit ihm zu kuscheln oder mit ihm zu schmusen. Ein Hamster ist, wie fast jedes Haustier, eigentlich ein Wildtier gewesen, dass durch Züchtungen an den Menschen bzw. für den Menschen “angepasst” wurde. Seine Nähe zu Menschen liegt nicht in seiner ursprünglichen Natur. Gerade deshalb ist es notwendig ihm nicht nur den Käfig artgerecht und groß genug zu gestalten, sondern auch seine Eigenheiten zu akzeptieren.

Und was ist schöner als diesen kleinem Racker bei seinem täglichen Tagesablauf zu beobachten? Also mir fällt da auf die Schnelle nichts ein. :)

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Mein Zwerghamster zu Hause. Petra Dietz, Eva-Grit Schneider. 2. Auflage 2011. 64 S., 92 Farbfotos, kart. ISBN 978-3-8001-6938-2. € 5,95

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  • Bernd

    Interessanter Beitrag!
    Werde ich gleich mal meiner Nachbarin zum lesen geben, deren Tochter bekommt nächste Woche nämlich einen Hamster.
    Viele Grüße
    Bernd von http://www.lolimals.de