Langeweile im Hamsterkäfig: Nagen am Käfiggitter

Roborowski Zwerghamster, Foto: Bullet, Wikipedia.de, CC-by-SA-3.0

Roborowski Zwerghamster, Foto: Bullet, Wikipedia.de, CC-by-SA-3.0

Leider kommt es immer wieder vor, dass Zwerghamster (aber auch Hamster im Allgemeinen) anfangen seltsame Verhaltensmuster an den Tag zu legen. Was vielleicht im ersten Moment noch niedlich oder tolpatschig aussieht, kann aber auf den zweiten Blick eine Verhaltensstörung darstellen.

Eine Verhaltensstörung kann viele unterschiedliche Gesichter haben. Zum Beispiel wenn der Hamster sehr apathisch wirkt, keine Anteilnahme am Leben rundum zeigt, wenn er dauernd im Kreis läuft, sehr wenig frisst (Achtung: Hier könnte es auch eine Krankheit sein!) oder eben am Käfiggitter nagt.

Letzteres dürfte wohl so einigen Hamsterbesitzern ein Begriff sein. Dennoch ist es vielen nicht bewusst, dass dahinter wirklich eine Verhaltensstörung stecken kann bzw. gerade im Anmarsch ist. Es ist auch nicht so, dass man dies dem Hamster nicht wieder “abgewöhnen” könnte. Im Gegenteil.

Gerade unerfahrene Hamsterhalter meinen damit, dass dem Hamster z.B. die Zähne jucken könnten, er Hunger hat oder vom Käfig raus möchte. Dabei ist die Annahme, dass der kleine Kerl aus seinem Käfig raus möchte, gar nicht mal so falsch.

Leider ist es bis heute immer noch möglich, viel zu kleine Käfige kaufen zu können. Diese Standard-Käfige von 30 cm Länge und 15 cm Breite sind absolute Tierquälerei! Zwerghamster sind Tiere die Nachts auf Futtersuche gehen, dabei weite Strecken zurücklegen und dadurch auch ihren enormen Bewegungsdrang stillen. Bei einem Käfig der Größe 30 x 15 cm dürfte dies wohl kaum möglich sein!

Dass alle Hamsterarten bei einer Fehlhaltung, wie z. B. einem zu kleinen Käfig (Mindestgröße Zwerghamster 100 x 50 x 50 cm; Mittelhamster 120 x 60 x 50 cm) eine Art Verhaltensstörung entwickeln, ist dabei nicht verwunderlich.

Ebenso spielt es eine große Rolle wie abwechslungsreich der Käfig gestaltet worden ist. Findet der Zwerghamster darin nicht unterschiedliche Dinge wie Verstecke, Klettermöglichkeiten, Sandbäder, Holzhäuschen und Nagemöglichkeiten, wird sein Leben im begrenzten Käfig schnell langweilig. Vor allem wenn er auch sonst keine Möglichkeit auf einen Auslauf in der Wohnung oder einem abgesicherten Bereich hat.

Ein liebevoller und verantwortungsbewusster Hamsterhalter sollte daher auf folgende Dinge zwingend achten:

  1. Dem Hamster ein ausreichend hoch eingestreutes Streu anbieten in dem er mindestens 10cm tief buddeln und sich Gänge anlegen kann. Generell gilt auch hier: Je tiefer desto besser!
  2. Ihm genügend und vielfältige Versteckmöglichkeiten anbieten wie z.B. ein Holzhäuschen, Wurzeln, Grasnester, Tunnel und Gänge.
  3. Auch der Käfig sollte regelmäßig “aufgepeppt” werden. Ganz einfach zum Beispiel durch umstellen der Einrichtung. Dann sind die Wege vom und zum Futterhäuschen wieder ganz andere als davor. Das sorgt für Abwechslung!
  4. Auch die Einrichtungsgegenstände sollten regelmäßig ausgetauscht werden. Zum einen, dass auch mal ein neuer Geruch wieder in den Käfig kommt, zum anderen, weil es dem Hamster viel Spaß macht, neue Einrichtungssachen zu erkunden.
  5. Auslauf ist das A und O. Der Käfig kann noch so liebevoll und abwechslungsreich gestaltet sein, aber gegen täglichen Auslauf kann so etwas nicht mithalten. Der Auslauf sollte auf jeden Fall ausbruchsicher und gefahrenfrei sein und nie ohne Aufsicht stattfinden!
  6. Ein großes Augenmerk liegt natürlich auch auf den Einrichtungsgegenständen des Auslaufs: Versteck-, Kletter- und Buddelmöglichkeiten dürfen auch hier keinesfalls fehlen.
  7. Zudem spielt eine artgerechte und ausgewogene Ernährung eine große Rolle. Nur wenn der Hamster gesunde Nährstoffe erhält, nimmt er auch großen Anteil an allem was um ihn herum geschieht, ist munter und aufgeweckt. Ein richtiger kleiner Naseweis.
  8. Und natürlich nicht zu vergessen: Um den Hamster kümmern. Mit ihm sprechen, von der Hand füttern, ihn beobachten (auch um frühzeitig z.B. Krankheiten zu erkennen).

Viele dieser Punkte sind ganz einfach und ohne großen Aufwand umzusetzen. Im Interesse seines Nagers sollte man daher alles tun, um ihm das Leben in Gefangenschaft so artgerecht, abwechslungsreich und einzigartig wie möglich zu machen!

Natürlich sollten diese Punkte bzgl. der Betreuung, des Auslaufs und des Fütterns schon VOR dem Hamsterkauf entschieden werden. Denn auch ein kleines Tierchen wie der Zwerghamster kostet viel Zeit und bringt auch einiges an Aufwand mit sich.

Um einem Hamster eine Verhaltensstörung zu ersparen ist es wichtig, vor allem auf seine Bedürfnisse einzugehen und diese größtmöglich zu erfüllen. So verbringt der kleine Kerl auf jeden Fall ein tolles Hamsterleben bei seinem Menschen.

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